Gedanken zum Stand der Reformen in Bayern
Zur Weiterarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) an den Themen von „Kirche der Freiheit“
Ein Beitrag von Kirchenrat Dr. Stefan Koch (Newsletter IV/2008)
Die Weiterarbeit an den für unsere Kirche wichtigen Themen von „Kirche der Freiheit“ lässt sich gliedern in Anregungen zur inhaltlichen Weiterarbeit (1), Hinweise zum methodischen Vorgehen (2) und Betrachtungsweisen (3). Die Anregungen zur inhaltlichen Weiterarbeit entstammen der Runde der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Zukunftskongress, die sich mit den EKD-Synodalen aus dem Raum der ELKB abgestimmt haben.
1 Inhaltliche Schwerpunkte und Themenstellungen zur Vertiefung in der ELKB sollten sein
- missionarische Kirche
- Gemeindeformen
- Ehrenamt (Motivation dazu, weg von einer Hierarchie in der Mitarbeit)
- Berufsbilder (bei Theologinnen und Theologen auch: Entlastung von Verwaltung)
- Formen von Gemeindeleitung
- „Qualität“ der kirchlichen „Angebote“
- Bildung & Diakonie als Themen, zu denen die Synode der ELKB bereits gearbeitet hat
- Kompetenzzentren der ELKB für die EKD (und umgekehrt)
- Rolle der EKD: unser Bild von EKD, unsere Bewertung föderaler Strukturen (auch der ELKB)
- …
2 Zum methodischen Vorgehen
Vorrangig ist die Klärung der Auftragslage: wer wird von wem beauftragt, in der Folgezeit womit aktiv zu werden, dazu mit welchen Ressourcen ausgestattet, in welchem Zeithorizont? Wie ist mit selbst erteilten Aufträgen umzugehen?
Als Ort für solche Klärungen wurde zwischenzeitlich von der Kirchenleitung eine gemeinsame Steuerungsgruppe benannt, durch die in der ELKB unsere Weiterarbeit an „Kirche der Freiheit“ verbunden, korrigiert und konzentriert wird durch die Erfahrungen, die in unserer Kirche im synodalen Prozess „Kirche vor Ort“ (dokumentiert im gleichnamigen Buch im Claudius-Verlag) gemacht wurden.
Wir haben der EKD vorgeschlagen, bei den Themen der Weiterarbeit zu unterscheiden und wollen diese Unterscheidung auch in der eigenen Weiterarbeit weiter wirksam werden lassen: „Botschafterthemen“ (in der ELKB exemplarisch für andere Kirchen bzw. Arbeitsbereich, „wo wir helfen können“) – „Kundschafterthemen“ (in der ELKB als Schwerpunkte bislang eher unterbelichtet, „wo wir lernen können“). Als Sprachregelung die Weiterarbeit an unseren Themen als ELKB betreffend sprechen wir weniger von „Haupt- und Nebenthemen“ und eher von „mein/unser Thema als … (KV/Kirchenleitung/…)“
Wir kommunizieren seit dem Erscheinen von „Kirche der Freiheit“, was an Ergebnissen, Ideen, Vorschlägen, Szenarien … aus dem Impulspapier auch in Zukunft innerhalb der ELKB keine Rolle spielt: z.B. ein Quotient der Gemeindeformen von 50 : 25 : 25, ein Rückgang der Mitgliederzahlen bis 2030 um 30 %, ein forcierter Mentalitätswechsel (statt Mentalitäts-wandel), monokausale Strategien der Kirchenreform (statt Doppelstrategien wie „missionarische Wendung nach Außen, geistliche Vertiefung nach Innen“), Aktionismus (statt strategischer Entscheidungen, die konsequent verwirklicht werden).
Unsere zentrale Aufgabe in der ELKB ist nicht ein Aktionsprogramm oder die zeitnahe Umsetzung möglichst vieler aktuell denkbarer Themen bzw. in den Monaten nach dem Zukunftskongress in Wittenberg von einzelnen Beteiligten oder von Außen als wichtig betrachteten Aufgabenstellungen der Kirche. Unsere zentrale Aufgabe ist die Vernetzung der verschiedenen Prozesse innerhalb der ELKB – also die konsequente und methodengeleitete Fortführung der laufenden Prozesse und Kampagnen – und die Vermeidung Verschleißes von Themen- und Kampagnen in eigentlich gut gemeinten Aktionen und Programmen ohne angemessene Hermeneutik, Reflexion und Qualitätssicherung. Deshalb wird sich die Kirchenleitung der ELKB in den kommenden 12 Monaten bis zum Juli 2009 intensiver mit der Frage beschäftigen, welche Themen auf welcher Ebene unserer Kirche gemeinsam verabredet werden bzw. wie ein innerkirchlichen Themenmanagement aussehen kann und soll. Die bereits jetzt in unserer Kirche in Arbeit befindlichen Großprojekte wie die Landesstellenplanung 2010 fungieren dabei als Schnittstellen zur Themenbündelung (so laufen in der anstehenden Landesstellenplanung folgende wichtige Themen zusammen: Ehrenamt, Pfarrer/in-Bild, Verhältnis der Berufsgruppen und der Mitarbeitenden, insgesamt der gabenorientierte Einsatz von Mitarbeit in der Kirche, Gemeindeformen, Thema „Qualität“) …
3 Wichtige Betrachtungsweisen
Die missionarische Ausrichtung der Kirche ist für uns vorrangig nicht nur eine inhaltliche Frage, die sich in konkreten Initiativen niederschlägt, sondern die der Betrachtungsweise: Will Kirche konkret ernst machen mit der Forderung einer Orientierung an den Mitgliedern/an Fernstehenden/an anderen Milieus als den bisher Erreichten, so wird/muss dies dazu führen, die missionarische Dimension von Kirche stärker in den Blick zu rücken.
Wir planen für die „Volkskirche“. Dabei wird es in Zukunft voraussichtlich stärker als bisher darum gehen, den die Erfüllung des Auftrags der Kirche auch an denen zu orientieren, die nicht/noch nicht aktiv in ihr mitarbeiten oder derzeit regelmäßig mit ihr in Kontakt sind.
Wir üben auf möglichst vielen Ebenen eine Hermeneutik des Vertrauens ein. Wir sind bestrebt, das Grundvertrauen der verschiedenen Ebenen, Personen, Gremien, Diskussions-partner in unserer Kirche zueinander zu fördern, sodass in der Folge nicht jede Ebene alles neu bedenken und vieles neu anregen muss, sondern möglichst viele an ihrem Ort ihren Teil dazu tun, dass unsere Kirche den Auftrag der Kirche erfüllt. So orientieren wir unsere Kirche erneut an ihrem Auftrag, den Menschen das Evangelium von der Liebe Gottes weiterzusagen und vorzuleben.
Ein Beitrag von Kirchenrat Dr. Stefan Koch im Newsletter "Kirche bewegen", Ausgabe: IV/2008.
Kirchenrat Dr. Stefan Koch ist Theologischer Planungsreferent der Ev. Luth. Kirche in Bayern: www.bayern-evangelisch.de.
